JENSEITS DER
OBERFLÄCHE
Was ist die Oberfläche?
Was bedeutet es, oberflächlich zu sein?
In einer Zeit, in der wir von Reizen überflutet sind, in der das Alltägliche laut geworden ist und uns zugleich ermüdet und entfremdet, entsteht eine leise Sehnsucht: innezuhalten. Tiefer zu schauen. Wirklich zu sehen.
Die Ausstellung Jenseits der Oberfläche ist eine Einladung, genau diesen Schritt zu wagen.
Sie führt uns weg vom bloß Sichtbaren, weg von schnellen Deutungen und flüchtigen Blicken – hin zu dem, was darunter liegt. Zu dem Innenliegenden. Zu jenem Raum, in dem die Oberfläche still wird und eine andere Form von Wahrheit zu atmen beginnt.
Denn die Oberfläche ist nicht das Ende.
Sie ist der Anfang.
Die Werke dieser Ausstellung bewegen sich zwischen Erscheinung und Bedeutung, zwischen dem, was sich zeigt, und dem, was sich entzieht. Sie fordern keine sofortige Erklärung, sondern verlangen Präsenz. Wer innehält, entdeckt Schichten – nicht nur im Bild, sondern auch in sich selbst.
Hier wird die Oberfläche zur Schwelle:
zur Grenze zwischen dem Materiellen und dem, was sich nicht greifen, sondern nur erfahren lässt. Jenseits von ihr öffnet sich ein Raum der Tiefe – ein Raum, in dem Wahrheit nicht behauptet, sondern empfunden wird. Ein Raum, in dem echte Gefühle, stille Erkenntnisse und vielleicht sogar eine Form von Liebe sichtbar werden, die keiner Worte bedarf.
Die Arbeiten tragen eine zweite, oft verborgene Ebene in sich.
Sie sprechen von dem, was nicht sofort lesbar ist, von dem, was sich erst im Verweilen offenbart.
Su Sigmund, Marlies Wagner, Lubomir Hnatovic und Krassimir Kolev entwickeln jeweils eigenständige Bildsprachen, in denen figürliche Anklänge erscheinen, sich wieder auflösen oder in abstrakte Strukturen übergehen.
Ihre Werke entziehen sich eindeutigen Zuschreibungen. Sie verweigern das Offensichtliche und öffnen stattdessen Räume der Wahrnehmung – Räume, die nicht erklärt werden wollen, sondern erlebt.
So entsteht ein Spannungsfeld zwischen Sichtbarkeit und Verborgenem, zwischen Form und Auflösung, zwischen Wissen und Intuition.
Dort, wo die Oberfläche leise wird, beginnt das Eigentliche.
Und vielleicht ist es genau dieser Moment – dieses stille Dazwischen –, in dem wir uns selbst ein Stück näherkommen.

